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1. Tag:  NÜRNBERG › AMSTERDAM › CALGARY › BLACK DIAMOND
Am frühen Morgen fahre ich zum Nürnberger Flughafen. Die fünfunddreißigminütige Fahrt mit Zug und U-Bahn vergeht wie im Flug. Beim Self-Service-Check-In Automaten wähle ich für den Flug den Sitzplatz direkt vor dem Notausgang. Das Mehr an Beinfreiheit während des Fluges nach Calgary ist mir die 50 Euro Zuschlag wert. Die Zeit bis zum Abflug nach Amsterdam verbringe ich im Mövenpick Restaurant. Das große Frühstücksbuffet bietet alles was das Herz begehrt. Nach dem ausgiebigen Frühstück mache ich mich auf dem Weg zum Abfluggate. Um 11.25 Uhr startet der Zubringerflug von KLM cityhopper (Fokker 70) zu dem 65-minütigen Flug von Nbg nach Amsterdam. Das Wetter in Amsterdam ist trüb - dunkle Wolken liegen über den Flughafen Schiphol. Nur fünfzig Minuten verbleiben bis zum Boarding. Am Abfluggate hat sich bereits eine lange Menschenschlange gebildet, aber das Boarding geht zügig vonstatten. Auf meinem Sitzplatz angekommen, genieße ich die ausladende eineinhalb Meter Beinfreiheit. Wer die 149 Euro Aufpreis für einen Economy Comfort-Sitz bezahlt, ist selber schuld. Die jeweils beiden Sitze (Sitzplan) vor dem Notausgang bieten mehr als doppelt so viel Platz. Um 14:45 startet der Airbus 330 mit fünfzehn Minuten Verspätung nach Calgary. Mein Platznachbar entpuppt sich als kanadischer Staatsbürger der perfekt holländisch und sogar etwas deutsch spricht. Er outet sich als Fotograf, und der Zufall will es das wir sogar mit der gleichen Nikon-Hardware fotografieren.

Nach achteinhalb Stunden Flug landet der Airbus um 15.15 Uhr auf dem Calgary Int'l Airport. Nach dem üblichen Prozedere bei der Immigration inkl. einer zweiten Befragung durch einen Immigration-Officer, geht es anschließend zur National Mietwagenstation. Zur Wahl stehen ein Ford Explorer und Jeep Grand Cherokee Laredo 4x. Ich entscheide mich für den schwarzen Jeep mit 19.584 km auf dem Tacho. Anschließend fahre ich zum Prince's Island Park nahe der Innenstadt. Nach einem Spaziergang im Park, gehe ich im River Cafe zum Abendessen. Es gibt Wild Pacific Halibut, Dill Gnocchi, Green Beans & Gazpacho Vinaigrette. Zu einem Bummel entlang der Stephen Avenue Walk (8 Ave) bleibt natürlich keine Zeit. Am späten Abend verlasse ich Calgary und suche mir ein Motel in Black Diamond, 66 km südlich von Calgary.


Gefahrene Strecke: 88 km +++ Unterkunft: Black Diamond Hotel, Black Diamond +++ Wetter: 22°C, sonnig


2. Tag:  BLACK DIAMOND › WATERTON LAKES NP › Cameron Lake › L. Bertha Falls › Bear's Hump
Der Waterton Lakes Nationalpark liegt im Süden der kanadischen Provinz Alberta an der Grenze zu Montana. Der Waterton Lakes Nationalpark wurde 1895 als vierter Nationalpark Kanadas gegründet und erhielt seinen Namen von den drei Seen (Waterton Lakes: Upper, Middle, Lower). Er grenzt mit seinem schroffen Bergland direkt an den amerikanischen Glacier Nationalpark und bildet mit ihm den Waterton-Glacier International Peace Park, der 1995 von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt wurde. Die Fläche des Nationalparks beträgt 525 km², die höchste Erhebung bildet mit 2.920 m der Mount Blakiston. Quelle: wikipedia

Der Jet-Lag zeigt seine Nachwirkungen. Nach vier Stunden ist der Schlaf vorbei und ich mache mich um 3.30 Uhr morgens auf dem Weg. Auf dem Highway 2 (Cowboy Trail) geht es südwärts über Pinchers Creek zum Waterton Lakes National Park. Ich genieße die Ruhe am Upper Waterton Lake, keine Menschenseele ist in den frühen Morgenstunden zu sehen. Rehe, die sich in den Grünanlagen satt fressen, gehören zum Straßenbild von Waterton Village. Die Rehe haben sich so an Menschen gewöhnt, dass sie jegliche Scheu verloren haben. Ich gehe im Bayshore Inn frühstücken und fahre anschließend den Scenic Drive Akamina Parkway entlang des Cameron Creek zum Cameron Lake. Nachdem ich genügend Fotos gemacht habe, laufe ich noch zum Akamina Lake. Ein kurzer Ausflug führt zum Buffalo Paddock Circle Drive, wo einige Bisons auf der Weide grasen.

Eigentlich möchte ich Waterton Village Campground campen, aber alle "full serviced" Sites sind bereits alle belegt. So steige ich im Waterton Lakes Resort ab, wenn auch $200 für eine Übernachtung um einiges teurer ist als ein Campingplatz. Am Nachmittag mache ich den 5,2 km Hike zu den Lower Bertha Falls. Es ist eine wunderschöne Wanderung mit Aussicht auf den Upper Waterton Lake, wobei die Wasserfälle nicht so fotogen wirken. Zum Abschluss des Tages geht es hinauf zu Bear's Hump. Innerhalb des nur 1,4 km (One Way) steilen Pfad müssen 215 m Höhenunterschied bezwungen werden. Am Ziel angelangt, wird man mit einem traumhaften Blick in das Waterton Valley entschädigt.


Gefahrene Strecke: 292 km +++ Unterkunft: Waterton Lakes Resort +++ Wetter: 24°C, bewölkt


3. Tag:  WATERTON LAKES NP › Red Rock Canyon › GLACIER NP › St. Mary
Nachdem Frühstück im Bayshore Inn bringt mich der Shuttle Service zum Red Rock Canyon. Normalerweise kann man den Red Rock Parkway mit dem eigenen Fahrzeug befahren, aber aufgrund von Bauarbeiten wird ein Shuttle Service eingesetzt. Nach einem kurzen Hike entlang des Red Canyon laufe ich noch die zwei Kilometer (Rundweg) zu den Blakiston Falls, bevor ich mit dem Shuttle wieder zurück fahre. Am Wochenende herrscht Hochbetrieb im Waterton Village, der Parkplatz am Visitor Center/Bear's Hump Trailhead ist bereits zu Mittag überfüllt. Ich verlasse den Waterton Lakes National Park und fahre auf dem Chief Mountain International Highway zum Glacier National Park in Montana.

Über die kandische/amerikanische Grenze fahre ich bis nach St. Mary, wo ich im Curly Bear Cafe einen Sandwich-Stop einlege. Gut gestärkt geht es weiter auf der Going-to-the-Sun Road bis zu St. Mary Falls, zuvor reserviere ich noch einen Platz auf dem St. Mary Campground. Im Vergleich zu den Blakiston Falls sind die St. Mary Falls ein ganz anderes Kaliber. Ein 2,6 km Rundweg führt zu diesem schönen Wasserfall. Mit dem Singh-Ray Vari-ND Filter kann man Wasser wie einen Schleier aussehen lassen. Ein ND-Filter hilft u.a. bei längeren Belichtungszeiten Überbelichtungen zu vermeiden. Einen weiteren Stop lege ich am Sunrift Gorge Viewpoint ein, verbunden mit einem kurzen Hike zu den Baring Falls. Am Wild Goose Island Stop hat man eine schöne Aussicht auf den St. Mary Lake und die schneebedeckten Berge, leider ist es eine Sunrise-Location und so merke ich mir diesen Viewpoint für den morgigen Tag vor. Ich gehe im urigen The Park Cafe zu Abend essen. Die Warteschlange ist lang und es dauert ein Weile bis man einen Platz zugewiesen bekommt. Ich bestelle das Barbecue-Chicken mit Baked Potato und Gemüse. Gut das ich mich vorher um einen Campingplatz bemüht habe, denn bei meiner Rückkehr ist der Campground voll belegt. Es war wieder ein warmer Spätsommertag, aber für den morgigen Tag wird Regen und ein Temperatursturz vorhergesagt.

Gefahrene Strecke: 133 km +++ Unterkunft: St. Mary Campground +++ Wetter: 25°C, bewölkt


4. Tag:  GLACIER NP › Going-to-the-Sun Road › Many Glacier › Redrock Falls › Apikuni Falls
Der Glacier Nationalpark liegt im Norden des US-Bundesstaates Montana im Hochgebirge der Rocky Mountains. Jenseits der Grenze liegt auf kanadischem Boden der Waterton Lakes Nationalpark. Beide Parks zusammen wurden 1932 als weltweit erstes grenzüberschreitendes Naturschutzgebiet unter dem Namen Waterton-Glacier International Peace Park zu einem „Internationalen Friedenspark” ernannt und 1995 durch die UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt. Der Glacier Nationalpark bezieht seinen Namen von der durch Vergletscherung während des Eiszeitalters geprägten Landschaft. Die heute im Park liegenden Gletscher haben nur einen Bruchteil der ehemaligen Fläche und gehen seit etwa 1850 massiv zurück. Quelle: wikipedia

Um 5.30 Uhr krabble ich verschlafen aus dem Schlafsack. Bereits vor Sonnenaufgang bin ich am Wild Goose Island Parkplatz. Dichte Wolken hängen über den St. Mary Lake und die Berge. Mit zwei anderen Fotografen warte ich vergeblich das sich die Sonne blicken lässt. Ich fahre die zehn Kilometer wieder zurück nach St. Mary und gehe im The Park Cafe frühstücken. Anschließend geht es nordwärts zum Many Glacier Valley, wo ich die nächsten beiden Tage im Many Glacier Hotel übernachten werde. Vom Swiffcurrent Pass Trailhead starte ich den knapp 6 km (Rundweg) langen Hike zu den Redrock Falls. Auf dem Weg zu den Wasserfällen kreuzt eine Elchkuh mit ihrem Kalb den Trail. Das „Kleine” ist scheu und traut sich nicht aus dem Unterholz heraus, aber die Mutter wartet geduldig bis es ebenfalls den Weg überquert und sie verschwinden im dichten Wald. Bereits am Redrock Lake kann man die Redrock Falls erkennen. Die Redrock Falls sind nicht so imposant wie die St. Mary Falls, aber die Wasserfälle und die roten Felsen ergeben einen schönen Kontrast.

Nachdem Hike checke ich im Many Glacier Hotel ein. Ich bekomme ein Zimmer in der dritten Etage mit Blick auf den Swiffcurrent Lake. Im Many Glacier Hotel muss man auf vieles verzichten... die Zimmer sind klein, die Wasserleitungen sind an der Decke befestigt, es gibt kein TV oder WLAN, aber dafür ist der Flair dieses 1915 erbauten Hotel unwiderstehlich. Interessant ist die Bilderausstellung, wo man sehen kann wie dramatisch die Gletscher im Glacier NP zurückgegangen sind. Gegen Mittag fängt es zu regnen an und mit dem Regen fällt auch die Temperatur ins Bodenlose – das Thermometer zeigt nur noch 8°C an. Aufgeregte Besucher erzählen das ein Bär direkt hinter dem Hotel am Cracker Lake Trailhead gesichtet wurde, aber auf „Bärenjagd” habe ich heute keine Lust. Der Iceberg Lake Trail und Mount Altyn Horse Trail wurde wegen Bärenaktivitäten vorsorglich gesperrt. Ich hoffe das mir kein Grizzly über den Weg läuft, wenn ich am nächsten Tag zum Grinnell Lake wandern werde.

Am späten Nachmittag hört es auf zu regnen und ich beschließe zu den Apikuni Falls zu wandern. Ein 1,6 km (One Way) steiler Hike führt hinauf zu dem Wasserfall. Auf dem letzten Drittel beginnt es wieder stark zu regnen. Ohne passende Regenbekleidung wäre es jetzt wohl besser umzukehren, aber trotz des widrigen Wetters ziehe ich den Hike bis zum Schluß durch und erreiche völlig durchnässt wieder den Trailhead. Zurück im Hotel müssen erst mal die Klamotten getrocknet werden, die Kamera hat den Regenguss unbeschadet überstanden. Während es im Tal regnet, fällt der erste Schnee am Logan Pass. Die Going-to-the-Sun Road ist wegen Schneefall bis morgen früh gesperrt.


Gefahrene Strecke: 60 km +++ Unterkunft: Many Glacier Hotel +++ Wetter: 8°C, Regenschauer, bewölkt