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16. Tag:  STONINGTON › DEER ISLE › BAR HARBOR

Am Frühmorgens treffe ich knorrige Fischer und Arbeiter im Harbor View Store. Das Thermometer zeigt nur 6°C an. Der heiße Kaffee ist eine Wohltat bei dieser Kälte. Von Stonington führt die 80 Meilen lange Fahrt über Deer Isle Village und Brooklin nach Bar Harbor. In Brooklin sehe ich mir die Baptist Church und den gegenüberliegenden Brooklin Cemetery an. Am Nachmittag erreiche ich Mount Desert Island, nach Long Island die zweitgrößte Insel an der Ostküste der USA. Im Vergleich zu den kalten Temperaturen zu Sonnenaufgang ist das Thermometer nachmittags auf 22°C geklettert. Nachdem ich im Bar Harbor Motel eingecheckt habe, sehe ich mir das Städtchen an.

Mount Desert Island ist die größte Insel vor der Penobscot Bay an der Küste Maines im Nordosten der USA. Die Gesamtfläche beträgt rund 280 km², sie ist 24 km lang, 13 km breit und nach Long Island die zweitgrößte Insel vor der Ostküste der USA. Der französische Forschungsreisende Samuel de Champlain beobachtete um 1604 die karge Vegetation der Berge von See her und gab der Insel den Namen L'Isle des Monts Déserts (Insel der kahlen Berge). Die Insel hat eine Bevölkerung von rund 10.000 Bewohnern. Große Gebiete von Mount Desert Island werden vom Acadia National Park bedeckt. Die Insel wird vom Cadillac Mountain überragt, dessen Gipfel 470 m über dem Meeresspiegel liegt und von dem man einen spektakulären Ausblick auf den Nationalpark und die umliegenden Inseln hat. Der Gipfel des Cadillac Mountain gilt als der Punkt in den Vereinigten Staaten, den die Strahlen der aufgehenden Sonne als ersten treffen. Quelle: wikipedia

Eigentlich war ein Ausflug nach Lubec, die östlichste Kleinstadt in den USA nahe der kanadischen Grenze, geplant. Der rot-weiß gestreifte West Quoddy Head Light zählt zu den schönsten Leuchttürmen an der Ostküste. Die 131 Meilen bzw. dreistündige Anfahrt entlang der Küste würde sich aber nur bei einer Übernachtung in Lubec lohnen und dafür müsste ich einen von drei Tagen Aufenthalt auf Mount Desert Island kappen. Das ist mir zu viel Fahrerei und anstatt Lubec verbringe ich den Nachmittag auf Schoodic Peninsula, die östliche Hälfte des Acadia National Park.
Mein Tipp: Lubec mit einem Zweitagesausflug auf Machias Seal Island verbinden. Die Insel ist ein wahres Paradies für Vogelliebhaber. Zwischen Juni und Juli nisten und brüten Tausende von Papageitaucher (Atlantic Puffins) auf Machias Seal Island und den vorgelagerten Inseln. Die größte Population einer Papageitaucher-Kolonie findet man Machias Seal Island. Per Boot kann man die Insel besuchen und die putzigen Vögel aus nächster Nähe beobachten.

Selbst außerhalb der Sommersaison sind die Straßen in Bar Harbor überfüllt und man hat Mühe einen Parkplatz in der Downtown zu finden. Ich schlendere durch die Straßen und hole mir eine Ice Cream. Ice Cream gehört zu Maine wie Lobster, aber Lobster Ice Cream muss es nun wirklich nicht sein. Ich habe bisher schon einige schöne Sonnenuntergänge erlebt, aber der Sonnenuntergang über dem Hafen von Bar Harbor toppt alles bisher dagewesene. Der Himmel färbt sich von hellblau zu orange bis hin zu einem dunkelrot. Ein unglaublichlicher Anblick. Besucher zücken spontan ihre Kameras um diesen unvergleichlichen Anblick einzufangen. Berauscht von diesem Sonnenuntergang gehe ich zum Abschluss des Tages im Restaurant Fathom essen.


Gefahrene Strecke: 98 Meilen +++ Unterkunft: Bar Harbor Motel, Bar Harbor +++ Wetter: 22°C, sonnig u. wolkig


17. Tag:  BAR HARBOR: Boulder Beach, Otter Cliff › SOMESVILLE › NORTHEAST HARBOR: Asticou Garden › SOUTHWEST HARBOR: Acadia Octoberfest › BASS HARBOR: Bass Harbor Head Light
Am frühen Morgen parke ich den Wagen am Ende der Otter Cliff Road. Von da aus sind es nur wenige Schritte hinunter zur Boulder Beach. Ich bin nicht der einzige Fotograf, der zu dieser frühen Stunde unterwegs ist. Nach und nach treffen weitere Fotografen an – am Schluss zähle ich über dreißig Stative, die sich wie an einer Schnur aufreihen. Mit einem Weitwinkelobjektiv ergibt sich eine interessante Bildkomposition – die rundgeformten Steine im Vordergrund und Otter Cliffs im Hintergrund. Diese wunderschöne Location sollte man vor oder zu Sonnenaufgang fotografieren, denn nachmittags liegt Otter Cliffs im Schatten. Die Sonne gibt leider nur einen kurzes Vorspiel und verschwindet danach hinter einer Wolkendecke. Ich fahre zurück nach Bar Harbor und gehe in der Cottage Street Bakery frühstücken.

Anschließend fahre ich nach Somesville. Das kleine Örtchen Somesville, neun Meilen nördlich von Bass Harbor und National Historic District, war der erste bewohnte Ort auf Mount Desert Island. Die weiße Holzbrücke in Gestalt eines Arch über den kleinen Teich ergibt ein schönes Fotomotiv. Anschließend fahre ich zum Asticou Azalea Garden, eine Meile nördlich von Northeast Harbor. Die Blütenpracht der unterschiedlichsten Azaleen ist schon lange vergangen, dafür leuchten Bäume und Sträucher in den schönsten Herbstfarben. In Southwest Harbor wird zum 18. Mal das Acadia’s Oktoberfest veranstaltet. Aber mal ehrlich, da liefert jede Dorfkärwa mehr Stimmung.

Die Kutschenstraßen und Steinbrücken sind eines der beliebtesten Sehenswürdigkeiten im Acadia National Park. Ein 45 Meilen langes Netz aus Waldstraßen (verboten für motorisierte Fahrzeuge) durchzieht den Nationalpark. Die sechzehn im Park befindlichen Brücken wurden aus handgefertigten Granit aus der Umgebung erbaut. Jede einzelne Brücke, kunstvoll mit eigenen Designmerkmalen konzipiert, fügt sich harmonisch in ihre Umgebung ein. Zu den schönsten Brücken zählen die Cobblestone Bridge, Deer Brock Bridge, Duck Brook Bridge und Hemlock Bridge.

Bass Harbor ist gut eine halbe Autostunde von Bar Harbor entfernt. Der Bass Harbor Head Light liegt am südlichen Ende der Lighthouse Road. Auch hier ist die Zufahrt zum Leuchtturm wegen dem Shutdown gesperrt, und man muss dorthin laufen. Ein kurzer Trail führt hinunter zu den Klippen, wo man Bass Harbor Head Light oben auf den Felsen sehen kann. Ich bin froh, dass ich bereits eineinhalb Stunden vor Sonnenuntergang da bin, denn der Sweet Spot kann nur von 4-5 Personen belegt werden. Unzählige Fotografen treffen später ein, müssen aber leider mit der zweiten Reihe vorlieb nehmen. Die Sonne kann sich nicht richtig entscheiden und so ist es allenfalls ein akzeptabler Sonnenuntergang. Nach der Rückkehr in Bar Harbor gibt es im Eden noch eine Kleinigkeit zu essen. Das Restaurant bietet saisonal vegetarisches Küche in Bar Harbor.


Gefahrene Strecke: 60 Meilen +++ Unterkunft: Bar Harbor Motel, Bar Harbor +++ Wetter: 15°C, bewölkt u. sonnig


18. Tag:  BAR HARBOR: Boulder Beach, Schooner Head Point › DOWN EAST: Winter Harbor, Corea,
Blackwoods Scenic Byway › BAR HARBOR
Um 5.00 Uhr morgens bin ich nochmals an der Boulder Beach. Man hört nur die Meeresbrandung und heute ist keine Menschenseele weit und breit zu sehen. Das Stativ wird so nahe wie möglich an der Brandung platziert – doch dann sorgt eine Welle für eine unliebsame Erfrischung. Pitschnass muss ich mir eine neue und sichere Position suchen. Nach dem wunderschönen Sonnenaufgang, fahre ich zum Schooner Head Viewpoint. Die Wanderung entlang der Klippen auf dem gut ausgebauten Trail ist schön, aber auch irgendwie fad. Anschließend fahre ich zu dem Schilfgebiet, das sich entlang der Otter Creek Road erstreckt. Wenn man Glück hat, kann man Kraniche in den Morgenstunden beobachten.

Zurück in Bar Habor wechsle ich in trockene Klamotten und das Stativ wird vom Salzwasser gesäubert. Anschließend gehe ich im 2 Cats zum frühstücken. An der langen Warteschlange kann man erkennen, das es wohl das beliebteste Frühstücksrestaurant in Bar Harbor ist. Es gibt ein Summer Scramble – Scrambled Eggs with Fresh Tomato, Fresh Herbs, Scallions and Feta Cheese served with Spicy Homefries, dazu Coffee und Fresh Grapefruit Juice.

Anschließend fahre ich nach Down East. Dieser Teil von Maine liegt zwischen der Penobscot Bay und der kanadischen Grenze im Osten – man kann es auch den östlichen Teil von Maine nennen. Der kürzeste Weg zur Schoodic Peninsula wäre die Fahrt mit der Fähre nach Winter Harbor. Leider werden nur Personen transportiert und somit muss ich die 40 Meilen von Bar Harbor nach Winter Harbor auf mich nehmen. Von Winter Harbor sind es nochmals sechs Meilen bis an die Südspitze der Schoodic Peninsula. Die beiden Zufahrten zum Schoodic Point sind wie die anderen Parkstraßen im Acadia National Park natürlich gesperrt. Von Bar Harbor, Winter Harbor, Corea, Milbridge geht die Fahrt bis nach Cherryfield. Von dort auf dem Blackwoods Scenic Byway (Route 182) wieder zurück nach Bar Harbor. Die Fahrt auf dem Route 182 gehört zu den schönsten Straßen, die ich bisher durch Maine gefahren bin. Die Blätter der Bäume glänzen in der Sonne in goldenen und roten Farben.

Das Kreuzfahrtschiff Emerald Princess läuft am Nachmittag in Bar Harbor ein. Die Fall Foliage Cruises werden zwischen September und Oktober durchgeführt. Die zehntägige One-Way Tour, abgehend von Kanada oder USA, verläuft von New York bis Quebec City und umgekehrt. Angelaufen werden die Häfen von Newport, Boston, Bar Harbor, Saint John, Halifax, Sydney und Charlottetown. Da der Hafen in Bar Harbor zu klein ist, legt das Kreuzfahrtschiff einige Hundert Meter vor dem Hafen an. Passagiere, die einen kurzen Stadtbummel machen möchten, werden mit Motorbooten an Land gebracht. Nach Sonnenuntergang verlässt die Emerald Princess wieder Bar Harbor.


Gefahrene Strecke: 132 Meilen +++ Unterkunft: Bar Harbor Motel, Bar Harbor +++ Wetter: 16°C, sonnig u. wolkig


19. Tag:  BAR HARBOR › BELFAST › AUGUSTA
Heute ist Columbus Day, Feiertag in den USA und endlich darf ich mal ausschlafen und muss an kein Foto-Shooting zu Sonnenaufgang denken. Das die Park Loop Road im Acadia National Park immer noch geschlossen ist, ist zwar schade, andererseits hätte ich die Blue Hill Peninsula und Stonington nicht gesehen. Beides die heimlichen Gewinner während der Reise durch Maine. Immerhin verbleiben noch Ziele für einen nächsten Besuch in Maine. Gut zwei Stunden Fahrt sind es von Bar Harbor bis nach Augusta. Anstatt auf der Interstate 95 geht es über den Highway 3 und 9 vorbei an zahlreiche Seen und Teiche. Es ist zwar nicht die schnellste, aber die kürzeste und landschaftlich reizvollste Route. Durch Ellsworth nach Bucksport, über die Penobscot Narrow Bridge auf Verona Island bis nach Belfast. Die Penobscot ist eine von drei Schrägseilbrücken in den USA. Die beiden anderen sind die Leonard P. Zakim Bunker Hill Memorial Bridge in Boston und Veterans’ Glass City Skyway in Toledo, Ohio.

Gut zwei Stunden Fahrt sind es von Bar Harbor bis nach Augusta. Anstatt der Interstate 95 geht es über den Highway 3 und 9 vorbei an zahlreiche Seen und Teiche. Es ist zwar nicht die schnellste, aber die kürzeste und landschaftlich reizvollste Route. In Belfast mache ich Mittagspause. Das kleine Städtchen mit seinen alten Ziegelsteinhäuser lädt zum verweilen ein. In Traci’s Diner gibt es ein Tuna Melt. Die Hand Made Fries schmecken doch gleich ganz anders als tiefgefrorene Fritten. Die Hauptstadt von Maine hat nicht viel zu bieten. Das State Capitol ist einen Fotostop wert und ein Besuch im Maine State Museum dürfte sich vielleicht auch lohnen, aber sonst ist Augusta nur Durchgangsstation auf dem Weg nach North Conway. Gegenüber meinem Hotel ist ein Texas Roadhouse. Ich probiere die Half Slab Ribs aus. Das Fleisch ist zart, aber geschmacklich allenfalls Durchschnitt.


Gefahrene Strecke: 125 mi +++ Unterkunft: Quality Inn & Suites, Augusta +++ Wetter: 17°C, sonnig u. wolkig